Paul Grüninger (1891 – 1972): Ein Brühler mit Herz, Verstand und Hand
Dienstag, 25. Juli 2006
Was hat Paul Grüninger mit Brühl zu tun?
Als Spieler war er Schweizer Meister:
Lehrer Grüninger spielte in den 1910er Jahren in der ersten Mannschaft des FC Brühl. Als linker Flügel und passionierter Fussballer geörte er jenem Kader an, das in der Saison 1914/15 den einzigen Schweizer Meistertitel für den FC Brühl erringen konnte.
Paul Grüninger (3. von rechts) gehörte in der Meistersaison 1914/15 dem Kader des FC Brühl an.
Er war zweimal Präsident des Clubs:
1924 bis 1927:Die erste Zeit von Paul Grüninger als Brühler Präsident war geprägt vom 25-Jahr-Jubiläum des Vereins, der in der Serie A, der höchsten Liga des Landes, spielte. Zum Jubiläum verfasste der Polizeikommandant eigenhändig eine Jubiläumsschrift. Aus seinem Schlusswort: «Möge diese Schrift dazu beitragen, die Brühler von Neuem anzuspornen, in treuer Kameradschaft die Reihen fester und enger zu schliessen.»
Ein Faksimile der Jubiläumsschrift können Sie für 13 Franken
.
1937 bis 1940:Die zweite Amtszeit von Paul Grüninger als Brühl-Präsident. Erst 1940, kurz vor dem Prozess, legte er das Amt nieder, um den Verein nicht in den Wirbel rund um das Gerichtsverfahren hineinzuziehen.
Er war Fussballer und Brühler – ein Leben lang
Nach der Entlassung als Polizeikommandant und der Verurteilung zog sich Paul Grüninger vom FC Brühl zurück. An seinem neuen Wohnort half er nach dem Zweiten Weltkrieg mit, den FC Au wieder aufzubauen. Obwohl ihm nach der Verurteilung auch beim FC Brühl kaum Hilfe zuteil wurde, blieb er «ein Brühler». Noch im Sommer 1971 – ein halbes Jahr vor seinem Tod – schrieb er einen handgeschriebenen Brief an den Brühler Vorstand: «Ich bin noch immer ein begeisterter Brühler und nehme stets mit regem Interesse an den Geschehnissen teil.»
Wer war Paul Grüninger?
Der St. Galler Polizeikommandant Hauptmann Paul Grüninger (1891–1972) rettete in den Jahren 1938 und 1939 mehrere hundert jüdische und andere Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung. Trotz schweizerischer Grenzsperre nahm er sie in St.Gallen auf, missachtete die Weisungen des Bundes und übertrat auch Gesetze, um die Flüchtlinge zu schützen.
1939 wurde Paul Grüninger von der St. Galler Regierung fristlos entlassen. 1940 wurde er vom Bezirksgericht St. Gallen wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung verurteilt. Er wurde verfemt und später vergessen. Bis zu seinem Tod lebte er in Armut.
Erst in den 1990er Jahren setzten Bestrebungen ein, den Flüchtlingshelfer zu rehabilitieren. 1995 wiederholte das Bezirksgericht St.Gallen den Prozess und sprach Paul Grüninger nachträglich von allen Vorwürfen frei. 1998 stimmte das Kantonsparlament einer materiellen Wiedergutmachung zu. Der gesamte Betrag wurde von den Nachkommen des Hauptmanns in die Paul Grüninger Stiftung eingebracht.
Wer sich für die ganze Geschichte von Stadion-Namensgeber Paul Grüninger
interessiert, findet auf dem Portal des Schweizer Fernsehens den
eindrücklichen Dokumentarfilm von Richard Dindo (1997) zum Wirken des Flüchtlingsretters und früheren Präsidenten des SC Brühl:
Im Spätsommer 2011 besuchte der bekannte TV-Reporter Thomas Gerber für den Fussball-Podcast «Schützi TV» das Paul-Grüninger-Stadion. Hier können Sie seinen Beitrag nachschauen – mit Statements von Nationalrat Paul Rechsteiner (Paul Grüninger Stiftung) und Brühls Vizepräsident Richard Zöllig. Moderiert wird die Reportage von Gemeinderat und Slampoet Etrit Hasler:
Wo wird mit dem Namen von Paul Grüninger bislang an seine menschlichen Taten erinnert?